Nikolausgeschenke wecken bei älteren Menschen aus bestimmten Gegenden Deutschlands nicht immer angenehme Erinnerungen. Da kam zwar der Nikolaus oder Pelznickel, wie er auch hieß, und brachte Geschenke mit. Aber er hatte auch eine Rute dabei. Und bevor es die Nikolausgeschenke gab, musste erst einmal gebeichtet werden, was man denn im vergangenen Jahr denn so alles angestellt habe. Verschweigen half da nicht, der Nikolaus wusste alles. Da konnte es schon einmal ein paar Streiche mit der Rute setzen, oder er war sogar richtig wütend, band dem Delinquenten die Kette um den Leib und schwang ihn auf seinen Rücken – und erst auf die Bitte der Eltern wurde das schreiende Elend von Sohn dann wieder auf die eigenen Beine gestellt. Dass es dann anschließend doch noch reichlich Nikolausgeschenke – Äpfel, Nüsse, eventuell auch eine Orange – gab, das tröstete nur unvollständig über das Erlebte hinweg. Die Geschenke waren schnell aufgegessen, aber die ausgestandene Angst blieb ein Leben lang im Bewußtsein. Warum bloß die Mädchen da immer viel besser weg kamen?

Auch die Nikolausgeschenke sind, wie heute so vieles, kommerzialisiert. Schon Wochen vorher gibt es in den Geschäften alles Mögliche zu kaufen: Jede Menge Süßwaren mit Bezug auf den Nikolaus, dazu sind auch die Obstregale voll mit einheimischen und fremden Früchten. Ein Nikolaus kommt auch nicht mehr ins Haus. Wenn am 6. Dezember Schuhe oder Stiefel gefüllt sind, dann weiß heute jedes Kind, dass das die Eltern waren. Schade – eine Illusion weniger, und das Nikolausgeschenk ist gleich weniger wert.

Das Nikolausgeschenk geht auf den katholischen Heiligen Nikolaus von Myra zurück, der im 4. Jahrhundert als Bischof wirkte. Zahlreiche Legenden werden von ihm berichtet. So soll er einmal drei Jungfrauen beschenkt haben, damit sie ordnungsgemäß verheiratet werden konnten. Oder er ließ zur Linderung einer Hungersnot Korn aus einem kaiserlichen Schiff abzweigen, ohne dass dieses dadurch weniger wurde.

Eigentlich dürfte der Nikolaus nur bei katholischen Kindern erscheinen, da es bei den evangelischen keine Heiligenverehrung gibt und man deshalb kurzerhand das Nikolausgeschenk auf Weihnachten verlegte und das Christkind damit betraute. Doch heute hat der Wohlstand diese Unterschiede längst eingeebnet. Die kleine Bescherung mit Süßigkeiten und Obst gibt es am Nikolaustag, in dem traditionell die bereitgestellten und selbstverständlich sauber geputzten Schuhe oder Stiefel damit gefüllt wurden. Und die große Bescherung gibt es dann an Weihnachten.