Eigentlich ist ja der Muttertag der ältere dieser beiden „Feiertage“. Der Muttertag hat seinen Ursprung in der englischen und amerikanischen Frauenbewegung, wo sich der zweite Sonntag im Mai als Ehr- und Erinnerungstag an die Mütter etablierte. Nicht zuletzt durch die Verehrung der Mütter im Dritten Reich, was sich auch in einem offiziellen Feiertag niederschlug, fand er auch in Deutschland Verbreitung. Schon zuvor war er allerdings von den Floristen als eine
gute Verkaufsgelegenheit für Blumen entdeckt worden. Dies gilt auch heute noch für den Muttertag. Obwohl er auf einen Sonntag fällt, sind da die Blumengeschäfte geöffnet.

Im Zeichen der Gleichberechtigung durfte da natürlich auch ein Vatertag nicht fehlen. Der Ursprung liegt wieder in den USA. Aber erst rund achtzig Jahre nach dem Muttertag erhielt er dort den Rang eines offiziellen Feiertages.
Heute ist der Vatertag in Deutschland eher ein Männertag. An diesem Tag nutzen sie es, einmal ohne weibliche Aufsicht durch die Gegend zu ziehen und dabei ausreichend Alkohol zu konsumieren. Für den Alkohol müssen die Männer selbst sorgen. Höchstens dann, wenn die Ehefrauen froh sind, ihren Gatten einmal los zu sein, ohne ihn bei einer Konkurrentin zu vermuten, kaufen sie Alkoholika als Geschenke bzw.
Vatertagsgeschenk
ein.

So es um Vatertagsgeschenke geht, ist dies somit eine Domäne der Kinder, die ihren Vätern durch ein Vatertagsgeschenk ihre Verehrung zum Ausdruck bringen. Wie schon beim Muttertag stehen deshalb die kleinen Vatertagsgeschenke, die sich Kinder von ihrem in den ersten Jahren noch geringeren Taschengeld leisten können, im Vordergrund. Unterstützt wird die Sitte des Vatertagsgeschenks dadurch, dass die Schulen im Werk- und Bastelunterricht diese Idee aufgreifen und die Schüler und Schülerinnen anleiten, etwas zum Vatertag zu basteln. So kommen dann beispielsweise die handgemalten Krawatten als Vatertagsgeschenk zu Ehren. Ob diese Kunstwerke allerdings jemals getragen werden, hängt nicht zuletzt davon ab, ob sich der Geschmack von Vater und Sohn oder Tochter unterscheiden.

Wie schon der Muttertag ist auch der Vatertag der Kommerzialisierung unterworfen. Zwar gibt es zum Vatertag nur selten Blumen. Dafür sind aber kleine Geschenke in der Form von Rasierwasser oder Süßigkeiten bekannter. Auch wenn ein Werkzeug in Vaters Bastelstube gerade kaputt ging, kann dies eine nützliche Geschenkidee sein. Alkohol, etwa Bier, Wein oder Spirituosen, sind dagegen den älteren und schon volljährigen Kindern vorbehalten.

Dies gilt heute auch für Tabakwaren, die natürlich nur dann sinnvoll sind, wenn der Vater noch zu den Rauchern zählt. Auch da können seit einigen Jahren nur erwachsene Kinder einkaufen.